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Hundetagebuch [12]- Der tut nichts!
von J.Overmeier

Trotz ihrer negativen Vergangenheit und fehlender sozialer Kontakte in der Prägephase, hat Lilli ein sehr unterwürfiges Sozialverhalten. Nicht immer von Vorteil, wie ich erfahren durfte.

Lilli

Ihr Verhalten gegenüber anderen Hunden war von Anfang an sehr unterwürfig und ihr brauchte nur ein anderer Hund die Zähne zeigen, schon nahm meine Lilli Reiß aus. Sie verstand sich mit allem und jeden, ihr einziges Ziel bei einer Begegnung mit anderen Hunden war eine ausgiebige Spielrunde.

Ich gehöre zur Sorte der rücksichtsvollen Hundehalter, d.h. dass ich meinen Hund anleine, wenn mir Spaziergänger, Kinder, Radfahrer, Jogger und Hundebesitzer mit angeleinten Hunden in meinen Sichtbereich kommen.

Das ein Hund an der Leine geführt wird kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Nicht immer sind diese aggressionsbedingt, auch Ängstlichkeit, Alter oder Krankheit können Ursache dafür sein. Ich muß meinen nun wirlich nicht kleinen Hund an einen fremden Dackel lassen, denn diese Begegnung macht oft mehr dem Besitzer als dem Hund Angst. Auch muss mein großer Hund nicht auf dem Rücken eines kleinen Hundes rumtoben.

Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit auf solche Besitzer und deren Hunde Rücksicht zu nehmen. Die Betonung liegt bei „für mich“, denn für andere Hundehalter ist dies nicht so.

Diese laufen wie die „Kings“ durch die Parkanlagen und Wälder, lassen ihre Vierbeiner überall hinmachen, Wild jagen und rufen einem von weitem „der tut nichts“ zu.

Die Deutsche Schäferhündin, die uns letztlich begegnete, hatte auch eine solche Besitzer.

Bei einem unserer täglichen Spaziergängen sah ich von weitem auf einer Parkbank ein Jugendlicher mit zwei Schäferhunden sitzen. Da mir diese Hunde fremd waren, leinte ich Lilli an.

Keine 10 Meter von diesem Trüppchen entfernt, kamen die beiden Fremdlinge auf uns zu. Es waren Rüde und Hündin, eigentlich kein Problem, nur ging die Hündin ohne mit der Wimper zu zucken auf Lilli los.

Geistesgegenwärtig ließ ich die Leine los, um Lilli eine Flucht zu ermöglichen, aber diese war so perplex über den Angriff, dass sie einfach steif stehen blieb, ohne jegliche Regung. Ob dies nun der Hündin noch mehr Anlass gab, keine Ahnung. Sie ging ohne Vorwarnung auf Lilli los, den Rüden im Schlepptau. Und von weitem hörte ich den Jugendlichen rufen: “Die tun nichts, die sind lieb!“ Nun, das sah aber ganz anders aus.

Lilli unterwarf sich recht schnell, ohne Gegenwehr, aber die Hündin ließ nicht von ihr ab und nun kam auch noch der Rüde dazu und mischt kräftig mit. Ich war wie vor den Kopf geschlagen, denn ich konnte ihr in keinster Weise helfen. Ich habe einmal in meinem Leben in eine Beißerei eingegriffen und wurde schmerzlich belehrt, dies nie wieder zu tun. Nur sind Beißereien unter Hündinnen nicht zu verharmlosen und ich bekam es doch allmählich mit der Angst zu tun. Von Seiten des Besitzers kam null Reaktion, ganz im Gegenteil, er schnappte sich sein Rad, rief seine Hunde und fuhr davon!

Lilli

Mittlerweile war eine richtige Beißerei mit Geknurre, Bellen und Geschrei in Gange. Lilli hatte angefangen sich zu wehren und gewann mehr und mehr die Oberhand. Der Rüde gehorchte relativ flott und lief seinem Herrchen hinter her, die Hündin konnte nicht genug bekommen und ließ immer noch nicht von Lilli ab. Allerdings hatte Lilli nun eine gewisse Schwelle überschritten und nun war es die Schäferhündin, die unterlag.

Mit einem scharfen Befehl rief ich Lilli zu mir und siehe da, mein Mädchen gehorchte und die andere Hündin suchte das Weite.

Lilli war fix und alle, zitterte am ganzen Körper und hechelte wie nach einem Marathon. Ich rief dem anderen Hundehalter hinterher er solle gefälligst seinen Namen und die Anschrift bekannt geben und warten bis ich meinen Hund untersucht habe. Nichts! Er fuhr einfach davon.

Eine intensive Untersuchung ergab, dass Lilli bis auf ein paar Fellfetzen keinerlei Blessuren davon getragen hatte, wie das bei den anderen aussah, habe ich nie erfahren, die Hunde nie mehr wieder gesehen.

Seit diesem Vorfall macht Lilli bei bestimmten Hunden Theater, wenn sie angeleint ist. Ich unterbinde dies und unterbreche sofort den Sichtkontakt. Alles in allem ist sie aber immer noch der unterwürfige Hund, wie vorher auch, aber sie hat eine Erfahrung gemacht – sich zu wehren!

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