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Hundetagebuch [15] - Urlaubsflirterei
von J.Overmeier
Nach zwei Jahren Urlaubspause, gönnte sich unsere kleine Familie
wieder einen zweiwöchigen Aufenthalt in unserem Lieblingsurlaubsland
Dänemark. Lilli wie immer mit dabei - und das nicht ohne Folgen!

Der Mai ist gekommen die Bäume schlagen aus und um dem zu entgehen
zog es unsere vierköpfige Familie plus Hund wieder an die Nordseeküste
Dänemarks. Zum fünften Mal buchten wir das Haus auf dem Holmslandsklit,
links die Nordsee und rechts den Ringkøbing Fjord. Beides jeweils
nur knapp 600 m von unserem kleinen Reetdachhäuschen entfernt.
Für die Fahrt bekam Lilli zur Beruhigung Bachblüten ins Maul
geträufelt, die auch diesmal wieder ihre Wirkung zeigten und ihr
eine gewisse Ruhe gaben. Ich hatte in der Urlaubsvorbereitung bereits
14 Tage vor Reiseantritt damit begonnen ihr Rescue Remedy Tropfen zu
verabreichen. Auch wenn die Bachblütentherapie von vielen belächelt
wird, diese auch unter dem Namen Notfalltropfen bekannten Bachblüten
helfen bei Lilli immer wieder. Ob es nun der Gang zum Tierarzt ist oder
eben diese lange Fahrt. Ich kann sie nur empfehlen.
In Skodbjerge angekommen und das Gröbste ausgepackt und eingerichtet,
hielt uns nichts mehr beim Haus, der Strand rief förmlich nach
uns.
Ein kurzes Stück vom Haus entfernt, dort wo keine Häuser mehr
stehen, ließen wir Lilli von der Leine. Man hätte meinen
können, dass dieser Hund nie Auslauf bekommen hätte, sie ging
ab wie eine Rakete, rannte im hektischen Zick-Zack ein graues
Fellbündel voller Lebensfreude.
Am Strand dann dasselbe Bild, Lilli rannte in die Wellen, schnappte
ins Wasser und natürlich schüttelte sie ihr Fell immer dort
aus, wo wir gerade standen. Natürlich gefiel es uns auch wieder,
ganz zu schweigen von den Kindern.
Ich erwähnte es schon in einem meiner Artikel, dass gerade Dänemark
ein unwahrscheinlich hundetolerantes Land ist. Eigentlich ist dort ab
Ende April Leinenpflicht am Strand, sowie in den Dünen. Aber solange
sich alle ordentlich benehmen, wird es wohl auch weiterhin geduldet,
dass die Tiere dort frei herumlaufen und genau wie ihre Besitzer den
Urlaub genießen können.
Zu Beginn unserer zweiten Woche, schlossen wir Bekanntschaft mit einer
kleinen Familie nebst Hund. Und wie es so oft im Leben ist, kam diese
Bekanntschaft eigentlich durch die Hunde zustande. Ich möchte es
mal so ausdrücken: Lilli wurde im Sturm erobert.
Unsere Devise am Strand war immer, wenn ein Spaziergänger auf uns
zukommt, egal ob mit oder ohne Hund, dann kam unser Vierbeiner an die
Leine. Das liegt weniger daran das Lilli aggressiv ist, sondern daran
dass sie eine Wibbelfutt ist und recht stürmisch sein kann.
Schon von weitem sahen wir zwei Erwachsene und ein kleineres Mädchen
die Dünen herunterkommen, ein Stück entfernt von der Stelle,
an der wir es uns gemütlich gemacht hatten. Begleitet wurden sie
von einem stattlichen Golden Retriever, der Lilli sah und direkt auf
sie zugestürmt kam.
Man könnte sagen es war Liebe auf den ersten Blick, zumindest bei
dem Goldie, denn Lilli hatte erst einmal Stress damit, dass der Rüde
an "ihre" Kinder gehen könnte. Aber nachdem sie die Lage
abgeschätzt hatte, stand einem wilden Herumgetolle am Strand nichts
mehr im Wege.
Auch die zweibeinigen Urlauber verstanden sich auf Anhieb gut und man
traf sich in der letzten Urlaubswoche noch das ein oder andere Mal am
Strand.
Auch am Abfahrtstag traf man sich trotz kühler Brise am Strand
und schaute den beiden verrückten Vierbeinern beim Spielen zu.
Die beiden passten aber auch zu gut zueinander, ihr Spiel war ausgelassen
und friedlich. Kein Geknurre oder Gezanke um Stöckchen, Steinen
oder Leckerchen. War der eine ermüdet, so spielte man eben im Liegen
weiter und kaute sich gegenseitig das Fell durch.
Nach zwei Stunden hieß es dann für Hunde und Besitzer endgültig
Abschied zu nehmen. Ein wehmütiger Blick den Strand hinunter, ein
letzter Gang zum Haus, ein herzlicher Abschied von Thommy und Besitzer
und es ging zurück nach Tyskland, wie der Däne sagt.
Spät in der Nacht waren wir wieder im "Pott" und fielen
nach erledigter Auspackaktion müde ins Bett. Am nächsten Morgen
fiel uns die Veränderung an Lilli recht schnell auf. Die sonst
lauffreudige, kaum zu bändigende und recht verfressene Hündin
wollte nicht Laufen, nahm kein Futter zu sich. Wir schoben dies zuerst
auf die lange Fahrt, dass sie vielleicht falsch gelegen hat oder verspannt
sei. Am nächsten Tag machten wir uns doch allmählich Sorgen,
denn sie wollte immer nicht so richtig, zum spazieren gehen musste man
sie regelrecht auffordern, aber das Futter nahm sie allmählich
wieder an.
Eine Mail ein paar Tage später, gab Aufschluss darüber, dass
ein Golden Retriever im Norden Deutschlands eine etwa gleiche Art an
den Tag legte. Dabei war es doch so einfach, unsere Lilli hatte schlichtweg
Liebeskummer, denn auch Thommy verweigerte sein Futter.
Tja, da soll noch mal einer sagen, dass Tiere keine Gefühle haben!
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Kontakt zur Autorin:
E-Mail : Jennifer.Overmeier@gmx.de
Homepage: http://www.tierheim-bottrop.de/