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Hundetagebuch [2]: Secondhand-Hund Lilli
von J.Overmeier
Wie kam es dazu, dass Lilli aus dem Siegener Tierheim bei uns
landete ? Warum gerade sie ?
Oft kam es in meiner aktiven Zeit im Tierheim vor, dass Menschen kurz
nach dem Tod ihres geliebten Vierbeiners bei uns reinkamen um sich nach
einem neuen Vierbeiner umschauten. Damals konnte ich diese Leute nicht
verstehen, braucht man doch Zeit um mit der Trauer umzugehen.

Charlie war noch keine drei Wochen tot, die Wohnung ist so leer, überall
sah und hörte man ihn. Mein Mann fand auf der Arbeit genug Ablenkung,
war er doch den ganzen Tag nicht in unseren vier Wänden. Aber ich
saß dort im Wohnzimmer und musste permanent auf seinen Platz starren.
Klein-Hannah vermisste ihn so sehr, dass sie ständig ihren äHatie
rief. Wie sollte ich mich da ablenken ?
Die Sehnsucht nach einem Hund wurde immer stärker und das schlechte
Gewissen auch. Aber ein neuer Hund wird ihn nie ersetzen können,
denn Charlie war äder Hund für uns. Zweifel kamen bei
mir auf, wäre dies einem neuen Hund gegenüber fair ?
So kam es, dass ich beim stöbern im Netz auf den Seiten des Tierheim
Siegen auf das Mischlingsmädchen Lilli stieß. Sie war Charlie
vom Typus sehr ähnlich, dass sprach mich natürlich sofort
an, aber ihre Geschichte erinnerte mich noch vielmehr an ihn. So nahm
ich Kontakt mit dem Tierheim auf, um mich über das Hundemädchen
zu informieren.
Mit ihren 18 Monaten hatte sie schon 3 Besitzer, dass ist für
einen so jungen Hund eine ganze Menge und bleibt meistens auch nicht
ohne Folgeschäden.
Ihre ersten Lebensmonate, genauer gesagt das erste halbe Jahr, verlebte
Lilli in einer Garage mit einer darin stehenden Hundehütte. Das
hört sich zuerst nicht so schlimm an, aber die Erstbesitzer wollten
wohl keinen Unrat in der Garage und somit wurde Lilli in dieser Hütte
eingesperrt. Abends durfte sie dann kurz raus auf das Gelände und
danach wurde sie wieder eingesperrt.
Gerade diese Monate sind für das Sozialverhalten von Hunden ungemein
wichtig, so ist es ein Wunder, wie lieb Lilli dabei geblieben ist.
Die zweite Station war eine sehr schöne für sie, aber leider
wurde aus Lilli ein Scheidungsopfer und keiner konnte sie übernehmen.
Also ging es wieder zurück ins Tierheim.
Ihr drittes Zuhause sollte eigentlich ihr endgültiges sein, aber
beim Spiel mit einem Kind soll sie diesem in die Hand gebissen haben.
Wenn ich Lilli heute betrachte kann ich dies aber nicht so ganz glauben.
Sie teilt sich ihr Körbchen mit unserer Tochter und lässt
sich von ihr alles wegnehmen. Dass Hannah im Spiel schon einmal hinfällt,
ist bei einem solch jungen Hund nicht unüblich.
Als ich dies alles hörte, war mir klar, dass ich diesem Hundemädchen
ein neues Zuhause schenken möchte. Mein Mann war gar nicht angetan
von dem Gedanken eines neuen Hundes, erwarten wir doch unser zweites
Kind und Charlie war ja noch gar nicht so lange tot.
Sei es drum, wir fuhren nach Siegen und Lilli eroberte mich im Sturm.
Wir bemerkten zwar noch den ein oder anderen Hund, der uns ansprach,
aber ich hatte mir geschworen, wenn Lilli nicht zu uns passt, dann fahren
wir ohne Hund wieder heim. Auch ich hatte zwiespältige Gefühle
was einen neuen Hund anging.
Ein Spaziergang mit Lilli zeigte uns, was sie für eine liebe Hündin
war. Eins gab das andere und so fuhren wir die Sauerlandlinie zurück
- mit Lilli im Gepäck.
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Kontakt zur Autorin:
E-Mail : Jennifer.Overmeier@gmx.de
Homepage: http://www.tierheim-bottrop.de/