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Hundetagebuch [9] - Tümpelhund Lilli
von J.Overmeier
Das Lilli ein Wasserhund war, hatten wir im Urlaub mehr als einmal
bewiesen bekommen. Aber wie sehr sie das Wasser liebt sollte mir auch
noch auf andere Weise bekannt werden.

Nachdem Lillis Gehorsam in Dänemark fast makellos war, konnte
ich in unserer Umgebung einen weiteren Schritt in Richtung Spaziergangs-Ausdehnung
unternehmen. In unserer unmittelbaren Umgebung befindet sich eine kleine
Parkanlage, diese hatte bisher gelangt, aber hier durften Hunde nun
einmal offiziell nicht unangeleint rumlaufen.
Ein kleines Stückchen weiter ist ein Landschaftsschutzgebiet, in
dem, wenn nicht besonders gekennzeichnet, Hunde unangeleint laufen dürfen.
Sicherheitshalber hatte ich mich aber bei unserem Ordnungsamt kundig
gemacht, denn hier in Nordrhein-Westfalen herrschen andere Hundegesetze
und auch sogenannte 40-20er müssen an der Leine geführt werden.
Und Ärger hat man als Hundebesitzer ja eh schon genug, da muss
es nicht auch noch welcher mit dem Ordnungsamt sein!
Also marschierten ich und Lilli mit Hundepfeife, Leckerlis bewaffnet
los in Richtung der Heide. Kaum einen Fuß in dieses
Gebiet gesetzt, waren wir auch schon umzingelt von mehreren Hunden,
alle freundlich gesinnt, aber an der Leine war Lilli nicht mehr zu halten.
Es hätte auch nur zu ungewollten Umwicklungen geführt.
Also leinte ich sie ab, mit einer guten Portion Bauchschmerzen, aber
es hatte ja bisher auch alles hervorragend geklappt. Wie ein Pfeil schoss
sie mit einer Meute Hunde davon, spielte und tobte, genauso wie es in
einem ausgewogenen Hundeleben sein sollte.
Schnell fand ich selber Gesprächspartner unter den Hundebesitzern
und man lief gemütlich den Hunden hinterher. An einer bestimmten
Stelle riefen alle ihre Vierbeiner zu sich und auch ich versuchte mein
Glück, aber kaum das Lilli ihren Namen hörte ruckte ihre Nase
in eine andere Richtung und sie sauste wie der Blitz davon.
Enttäuschung machte sich breit in mir und gleichzeitig erfasste
mich eine winzige Panik, denn ich konnte ja nicht ahnen wohin sie lief.
Die anderen Hundebesitzer schmunzelten schon und beruhigten mich und
eine Sekunde später hörte man ein großes Platschen.
Mit einem unguten Gefühl lief ich genau in die Richtung dieses
Geräusches und mir wehte ein dezent tümpeliger
Geruch entgegen. Nachdem ich einen kurzen Kampf mit hohen Gräsern
ausgefochten hatte, wurde mir Blick auf einen undefinierbar grünen
Tümpel gewährt. Mitten in dieser Brühe stand ein Tier,
dass sich mit Hingabe immer und immer wieder drehte und sprang. Natürlich
handelte es sich hierbei um meinen Hund, wenn man sie zu diesem Zeitpunkt
noch Hund nennen konnte.

Schleimige Algen hingen an ihrem Fell herab, der Bauch war schlammverschmiert
und ihr graues Fell hatte eine undefinierbare Farbe angenommen. Den
Geruch der aus ihrer Richtung zu mir herüberwehte, möchte
ich hier lieber nicht genau beschreiben, auf alle Fälle war er
alles andere als angenehm. Ihr schien er allerdings rein gar nichts
auszumachen, denn sie beendete trotz mehrfachen Zurufes, ihr Treiben
nicht.
Dem Rat der anderen Hundehaltern folgend, wendete ich mich von Lilli
ab und ging mit dem ganzen Tross weiter, der Heiderunde
folgend.
Anscheinend gelangweilt, da niemand mehr am Tümpelrand rumhampelte
und zeterte, folgte uns das Tümpelungeheuer. Die Mitspaziergänger
konnten nun nicht mehr an sich halten und es hagelte so einige schadenfrohe
Sprüche in meine Richtung, die ich mehr oder weniger erheitert
erwiderte.
Nun aber war ich diejenige die einen Grund zum Lachen hatte, denn mein
Tümpelhund schüttelte sich mit Hingabe genau dort, wo die
schadenfrohen Hundebesitzer standen und nun wie begossene Pudel aussahen.
Mein Ärger über ihren Ungehorsam war just in diesem Moment
versackt und Lilli muss nun an bestimmten Stellen in der Heide an der
Leine oder bei Fuß laufen. Allerdings gönne ich ihr aber
meistens den Spaß und lasse sie einfach laufen, denn auch wir
verfügen Zuhause über einen Wasseranschluss. Uns seit einiger
Zeit gibt es sogar einen am Gartentor, so dass der Tümpelgeruch
abgewaschen werden kann.
Seit diesem Tag hat Lilli den Beinamen Tümpelhund von mir erhalten,
denn wo sich auch ein Schmodderloch befindet, mein Hund findet dieses.
Und mit Lilli an meiner Seite würde ich sogar in der Wüste
Wasser finden.
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Kontakt zur Autorin:
E-Mail : Jennifer.Overmeier@gmx.de
Homepage: http://www.tierheim-bottrop.de/